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Ratgeber Social Media

Firmeninformationen bei Wikipedia

Firmeninformationen bei Wikipedia
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Wikipedia ist häufig die erste Anlaufstelle bei der Recherche nach Firmeninformationen und damit entsprechend weit oben im Google-Ranking.

Eine positive Firmendarstellung liegt der Unternehmenskommunikation verständlicherweise am Herzen, aber wie kann man auf die Artikel der freien Online-Enzyklopädie Einfluss nehmen ohne den Vorwurf der Manipulation?

Wenn in Unternehmen über das Thema Social Media gesprochen wird, fallen meist zuerst die Begriffe Facebook und Twitter. Vermutlich deshalb, weil diesen Plattformen immer noch der Reiz des Neuen anhaftet. Weit seltener ist von der schon deutlich in die Jahre gekommenen freien Enzyklopädie Wikipedia die Rede. 2001 gegründet, wächst das ausschließlich von Freiwilligen erstellte Online-Nachschlagewerk auch heute noch unaufhörlich und umfasst mittlerweile allein in deutscher Sprache über 1,4 Millionen Einträge.

Wichtigster Besucherlieferant

Gerade für Unternehmen hat Wikipedia enorme Relevanz gewonnen, ist die Enzyklopädie doch oft genug die erste Anlaufstelle bei der Suche nach Unternehmensinformationen. Im Rahmen des FTSE100 Online Audience Report wurde kürzlich die Relevanz von Social- Media-Plattformen als Traffic-Quelle für Websites von Firmen aus dem britischen Aktienindex untersucht. Demnach ist Wikipedia mit 52 Prozent der mit Abstand wichtigste Lieferant von Besuchern für Unternehmens-Websites im Social Web. Erst mit gehörigem Abstand folgen LinkedIn (22 Prozent) und Facebook (18 Prozent).

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Die Dominanz von Wikipedia zeigt sich auch deutlich beim Google-Ranking: Bei der Suche nach Unternehmen erscheint der entsprechende Wikipedia- Artikel fast immer unter den ersten Suchtreffern, manchmal sogar noch vor dem offiziellen Web-Auftritt der Firma. Die Darstellung in Wikipedia hat damit einen enormen Einfluss auf die Online- Reputation eines Unternehmens.

Autor:  Arne Klempert - Erfahrener Wikipedianer
Autor: Arne Klempert - Erfahrener Wikipedianer ©

Kein Wunder also, dass für immer mehr Unternehmen ihre Darstellung in Wikipedia wichtig ist und sie diese verbessern möchten. Verständlich, sind die meisten Unternehmensartikel in Wikipedia doch eher von bescheidener Qualität. Die Ursache dafür liegt im besonderen Entstehungsprozess begründet, dem kollaborativen Ansatz.

Punktuelles Interesse der Wikipedianer

Im Unterschied zu anderen Nachschlagewerken und den meisten Online- Plattformen steht hinter Wikipedia keine zentral organisierte Redaktion. Ob und in welcher Art die freiwilligen Autoren einen Artikel erstellen oder verbessern, hängt zunächst von ihrer persönlichen Motivation ab.

Allzu häufig haben Wikipedianer – so nennen sich die aktiven Autoren von Wikipedia – nur ein punktuelles Interesse an einem Unternehmen. Zum Beispiel, wenn sie an einem bestimmten Thema arbeiten und sich dadurch ein Bezug ergibt. Das mag auch am Mangel an guten, umfassenden Sekundärquellen wie Fachliteratur oder verlässlicher Medienberichterstattung liegen. Nur solche unabhängigen Quellen lässt Wikipedia als zuverlässig für die Erstellung ihrer Artikel gelten.

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Unter den 6000 von der Wikipedia-Community als besonders „lesenswert“ oder „exzellent“ ausgezeichneten Artikeln finden sich gerade einmal 25 Unternehmensartikel. Am mangelnden Interesse der Leser kann dies kaum liegen. Denn Artikel von bekannten deutschen Unternehmen kommen leicht auf mehrere Tausend Aufrufe täglich – und das allein auf der deutschsprachigen Wikipedia- Plattform.

Unerwünschte PR-Botschaften

Die Wikipedia-Community sollte also ein großes Interesse daran haben, dass sich Unternehmen an der Artikelpflege beteiligen. Das ist teilweise auch der Fall. Doch sollten Firmen das nicht als uneingeschränkte Einladung verstehen, sich ins „Abenteuer Wikipedia“ zu stürzen. Vielmehr müssen sie sich vor der Mitwirkung vergegenwärtigen, dass Wikipedia ein Gemeinschaftsprojekt ist.

Anders als auf anderen Social-Media- Plattformen wie Facebook oder Twitter haben Unternehmen hier kein eigenes Profil. Unternehmensartikel sind keine Darstellungen von Unternehmen, sondern Beiträge über diese. Hinzu kommt, dass die aktiven Wikipedia-Autoren die Enzyklopädie als ihr Gemeinschaftswerk betrachten. Neue Mitarbeiter sind grundsätzlich willkommen, sie sollten sich ihre Reputation als konstruktive Mitarbeiter aber erst erarbeiten.

Viele Firmen haben sich in der Vergangenheit bei ihren ersten Schritten auf Wikipedia wie ein Elefant im Porzellanladen verhalten – weshalb Teile der Wikipedia-Gemeinschaft der Mitwirkung von Unternehmen nach wie vor kritisch gegenüberstehen. Einige von ihnen lehnen die direkte Mitarbeit von Firmenvertretern an den betreffenden Artikeln sogar kategorisch ab. Besonders ausgeprägt ist diese Haltung bei den englischsprachigen Wikipedia- Autoren. Deutlich offener gibt sich die deutschsprachige Community. Dennoch sind auch hier wichtige Regeln zu beachten. 

Der Einstieg in die Mitwirkung

Eine erste, indirekte Mitwirkung über die zu jedem Artikel gehörenden Diskussionsseiten ist jederzeit möglich und wird aus Sicht der Wikipedia-Gemeinschaft begrüßt. Sie dient den Autoren zum Dialog über die Verbesserung des Artikels und ist daher der richtige Ort, um Fragen oder Verbesserungsvorschläge anzubringen. Besonders dankbar sind Wikipedianer in aller Regel für konkrete Vorschläge zur Ergänzung des Artikels oder für Hinweise auf veraltete Informationen. Wichtig sind hier Quellenangaben, die Daten oder Aussagen belegen können. Die Berufung auf die eigene Kenntnis als Mitarbeiter des Unternehmens reicht meistens nicht aus.

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Bei allen Aktivitäten innerhalb von Wikipedia ist Transparenz das oberste Gebot. Auch wenn die anonyme Mitarbeit ohne Anmeldung möglich ist, sollten sich Vertreter von Unternehmen vor ihrer Mitarbeit immer anmelden, um den Vorwurf der verdeckten Einflussnahme zu vermeiden. Ganz wichtig dabei ist es, auf der eigenen Benutzerseite einen deutlichen Hinweis auf die eigene Beziehung zum Unternehmen anzubringen.

Ein Schritt nach dem anderen

Unternehmen sollten beim eigentlichen Bearbeiten des Beitrags nicht versuchen, diesen komplett in einem Schritt durch eine neue Version zu ersetzen. Solche Komplett-Überarbeitungen werden nur selten akzeptiert, weil es auch erfahrene PR-Manager trotz sorgfältiger Vorbereitung meist nicht schaffen, die vielen geschriebenen und ungeschriebenen Wikipedia-Regeln beim ersten Anlauf zu beachten. In der Konsequenz werden die Änderungen dann wieder rückgängig gemacht und ein erneuter Anlauf damit deutlich erschwert.

Nachhaltiger ist ein schrittweises Vorgehen, um sich selbst und die Community nicht zu überfordern. Durch kleine, unkritische Änderungen können neue Autoren zunächst unter Beweis stellen, dass sie ernsthaft daran interessiert sind, Wikipedia zu verbessern, und dass sie die Regeln der Zusammenarbeit verstanden haben.

Begehrtes Bildmaterial

Zum Einstieg bietet es sich beispielsweise an, die Unternehmensdaten zu aktualisieren. Wichtig ist dabei auch hier die Angabe von Quellen. Im Fall von Unternehmensdaten reicht dafür in der Regel ein Link auf die eigene Website, etwa auf den Geschäftsbericht oder das Unternehmensprofil. Aussagen, die Wertungen enthalten, erfordern hingegen immer externe Quellen wie beispielsweise Medienberichte.

Besonders dankbar ist die Wikipedia-Gemeinschaft für Bildmaterial. Denn die Bebilderung von Unternehmensartikeln ist oft mangelhaft. Damit Abbildungen jedoch für Wikipedia akzeptabel sind, müssen diese unter einer freien Lizenz verfügbar sein, die jedem das Recht einräumt, die Inhalte zu verbreiten.

Etabliert hat sich dafür der Lizenzbaukasten von Creative Commons (CC). Mit diesem können Urheber festlegen, unter welchen Bedingungen ihre Werke verbreitet werden dürfen. Auf der eigenen Website oder zum Beispiel auf Flickr können Bilder einfach mit dem entsprechenden Lizenzhinweis (CC BY oder CC BY-SA) markiert werden.

Wichtig: Vorher sollte man klären, ob die Vereinbarungen mit dem Fotografen eine solche Lizenzierung zulassen. Wenn die Bilder unter der CC-Lizenz zur Verfügung stehen, hilft meistens ein kurzer Hinweis auf der Diskussionsseite, damit ein erfahrener Autor die Bilder in Wikipedia überträgt.

Den eigenen Artikel beobachten

Auch wer sich nicht selbst aktiv in Wikipedia einmischen möchte, sollte den eigenen Artikel laufend beobachten. Oft genug haben Unternehmen so frühzeitig von aufkommenden Kommunikationskrisen erfahren und konnten sich rechtzeitig auf Presseanfragen vorbereiten. Denn gerade unter Journalisten ist Wikipedia eine gern genutzte Quelle.

Die Beobachtung ist dank der systembedingten Transparenz recht einfach. Jeder Artikel verfügt über einen RSS-Feed, der über sämtliche Änderungen am Artikel informiert. Ebenso einfach können auch Änderungen an der zugehörigen Diskussionsseite verfolgt werden.

Bei Problemen mit der Darstellung des eigenen Unternehmens gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Die bereits erwähnte Diskussionsseite reicht nicht in jedem Fall aus. So kann es vorkommen, dass ein Fehler im Artikel besonders sensibel ist und man keine weitere Aufmerksamkeit darauf lenken möchte. In diesem Fall kann es nützlich sein, einzelne Autoren direkt anzusprechen, die bisher als besonders hilfreich oder konstruktiv aufgefallen sind.

Darüber hinaus bietet die Wikipedia- Community auch einen nützlichen EMail- Support an. Unter der Adresse info-de@wikimedia.org erreicht man ein Team von freiwilligen, sehr erfahrenen Wikipedia-Autoren, die in Konfliktfällen weiterhelfen können.

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